„Wer steckt sich denn heute noch mit Syphilis an?“ – das ist eine häufige Reaktion, wenn von der Krankheit die Rede ist. Doch seit 2010 steigen die Zahlen der Syphiliserkrankungen in Europa stetig an, unterbrochen nur in den Jahren 2020 und 2021, als die Covid-19-Pandemie wütete. Ein Grund dafür kann ein Mangel an Aufklärung sein und eine schwindende Achtsamkeit, was die Verhütung beim Geschlechtsverkehr angeht.
Syphilis: Symptome, Übertragung & Behandlung
Die Ansteckungszahlen der Geschlechtskrankheit Syphilis haben in Deutschland mit 9.519 gemeldeten Fällen im Jahr 2024 einen absoluten Höchstwert erreicht. Trotzdem scheinen viele Menschen zu glauben, dass Syphilis eine Krankheit aus alten Zeiten ist. Wir erklären, welche Folgen eine Ansteckung haben kann und wie man sie vermeidet.
- Was ist Syphilis und wie wird sie übertragen?
- Wer ist am meisten von Syphilis betroffen?
- Welche Symptome gibt es bei Syphilis?
- Was versteht man unter der Spätsyphilis?
- Wie wird Syphilis diagnostiziert und behandelt?
- Ist Syphilis heilbar?
- Wichtige Informationen zur Prävention und Beratung
- FAQ: Häufig gestellte Fragen
Was ist Syphilis und wie wird sie übertragen?
Syphilis, auch bekannt als Lues, ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die bei Nichtbehandlung ernsthafte Langzeitfolgen haben kann. Die Infektion wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht. Dieser Erreger kann nur im Menschen überleben. Bei Ansteckung beträgt die Inkubationszeit ca. 14 bis 24 Tage.
Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer infizierten Person anzustecken, liegt bei 30 Prozent. Die Krankheit wird hauptsächlich durch ungeschützten vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr übertragen. Dabei muss ein direkter Kontakt zur infizierten Schleimhaut bestehen.
Während der Schwangerschaft kann die Syphilis von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden. Die Gefahr einer Ansteckung über kontaminierte Gegenstände (z. B. Nadeln) ist möglich, aber gering. Das Gleiche gilt für kontaminierte Blutkonserven: Da Blutspenden in Deutschland routinemäßig auf Syphilis getestet werden, ist laut Robert Koch-Institut seit über 20 Jahren kein Fall einer solchen Übertragung mehr bekannt.
Wer ist am meisten von Syphilis betroffen?
In Deutschland hat sich die Ansteckungsrate bei Syphilis in den vergangenen 20 Jahren vervielfacht. Nach der Einführung der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2001 nahmen die Fallzahlen zunächst zu und blieben zwischen 2004 und 2008 mit etwa 4.000 Fällen pro Jahr weitgehend stabil. Seit 2010 ist erneut ein Anstieg zu beobachten. Im Jahr 2024 registrierte das Robert Koch-Institut 9.519 Fälle – damit mehr als doppelt so viele wie 20 Jahre zuvor.
In einigen Städten wie Berlin, Köln und München ist die Inzidenz besonders hoch: Im Jahr 2024 lag die Rate in Köln bei 44,1 und in München bei 36,7 Fällen pro 100.000 Einwohner. In den Berliner Innenstadtbezirken wurden sogar Werte von deutlich über 50 Fällen pro 100.000 Einwohner erreicht. Die Bevölkerungsdichte und höhere Bereitschaft, die Sexualpartnerin oder den Sexualpartner zu wechseln, machen Großstädte zur perfekten Ausbreitungsplattform für die Krankheit.
Die Betroffenen sind überdurchschnittlich männlich (2024 rund 92 Prozent aller gemeldeten Fälle) und auch in der Gruppe der jungen Erwachsenen ist die Ansteckungsrate erhöht. Bei Frauen ist es die Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren, die am häufigsten von der Krankheit betroffen ist. Hier infizieren sich die Betroffenen hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit erkrankten Männern.
Die Krankheit verläuft zyklisch. Das bedeutet, dass sich beschwerdefreie und symptomatische Phasen abwechseln. Es kann dadurch fälschlicherweise der Eindruck entstehen, dass die Syphilis spontan ausgeheilt ist.
Ohne Behandlung kann die Krankheit in das Tertiärstadium übergehen, in dem es zu schweren Schäden an Organen, Nervensystem und Knochen kommen kann. Selbst, wenn die Erkrankung ohne Symptome verläuft. Im schlimmsten Fall kann es zu Organversagen kommen. Die dabei entstehenden Gewebeknoten, sogenannte Gummen, können grundsätzlich jedes Organ betreffen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Tumore, sondern um entzündliche Granulome, also um kleine, knotenartige Ansammlungen von Entzündungszellen im Gewebe.
Was versteht man unter der Spätsyphilis?
Die Spätsyphilis ist ein fortgeschrittenes Stadium der Syphilis-Erkrankung, welches sich oft erst viele Jahre nach der Infektion entwickelt. Die Spätsyphilis tritt bei etwa einem Drittel der unbehandelten Patientinnen und Patienten auf, manchmal sogar erst Jahrzehnte nach der Erstinfektion.
Die Spätsyphilis kann mit Penicillin behandelt werden, allerdings ist eine hochdosierte intravenöse Gabe bei Neurosyphilis erforderlich.
Wie wird Syphilis diagnostiziert und behandelt?
Die Diagnose von Syphilis erfolgt durch verschiedene Methoden wie zum Beispiel Bluttests, bei denen Antikörper gegen Treponema pallidum nachgewiesen werden können. In einigen Fällen kann auch eine Untersuchung von Gewebeproben erforderlich sein.
Bei einer frühzeitigen Erkennung kann Syphilis erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden, meist Penicillin. Auch bei Schwangeren und während der Stillzeit. Es ist wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, sobald Symptome auftreten oder ein Risiko für eine Infektion besteht, um eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung sicherzustellen und schwerwiegende Spätfolgen zu vermeiden.
Ist Syphilis heilbar?
Ja. Syphilis kann in jedem Stadium mit Penicillin geheilt werden; Resistenzen sind bislang nicht bekannt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser bilden sich die Beschwerden zurück. Bereits entstandene Organ- oder Nervenschäden im Spätstadium können jedoch dauerhaft bestehen bleiben. Bis der Behandlungserfolg durch Blutuntersuchungen bestätigt ist, sollte auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
Eine durchgemachte Syphilis schützt nicht vor einer erneuten Infektion. Rund ein Drittel der im Jahr 2024 gemeldeten Fälle waren Reinfektionen. Deshalb sind regelmäßige serologische Kontrolluntersuchungen sowie die Untersuchung und gegebenenfalls Mitbehandlung der Sexualpartnerinnen und -partner wichtige Bestandteile der Therapie.
Wichtige Informationen zur Prävention und Beratung
Die Prävention von Syphilis umfasst verschiedene Maßnahmen, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren. Dazu gehört die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, insbesondere bei wechselnden Partnerinnen oder Partnern. Sie können eine Ansteckung jedoch nicht vollständig verhindern.
Syphilitische Geschwüre im Mundraum können beim Küssen zu einer Ansteckung führen. Auch das Berühren von Hautveränderungen, Geschwüren oder nässenden Hautstellen kann zur Übertragung beitragen. Sollte es zu Hautkontakt mit potenziell infektiösen Stellen kommen, müssen diese umgehend gründlich gewaschen und desinfiziert werden. Waschen und Desinfizieren ersetzen allerdings keinen Test: Wer Kontakt mit einer infektiösen Stelle hatte, sollte sich ärztlich beraten und untersuchen lassen.
Regelmäßige Untersuchungen bei einer Ärztin oder einem Arzt, insbesondere bei einem erhöhten Risiko, können helfen, eine Infektion frühzeitig zu erkennen. Für Betroffene von Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten gibt es Möglichkeiten sich anonym beraten zu lassen. Vielen Gesundheitsämter oder Aidshilfen bieten diese Art der Unterstützung an. Dort kann man sich bei Bedarf auch testen lassen, wenn man nicht direkt einen Arzt aufsuchen möchte. Im Internet gibt es eine Übersicht über diese Angebote.
Fazit: Syphilis ist eine ernstzunehmende sexuell übertragbare Krankheit, die unbehandelt schwere Folgen haben kann. Die Aufklärung über Ursachen, Symptome und Präventionsmaßnahmen ist von großer Bedeutung, um das Infektionsrisiko zu reduzieren und eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu ermöglichen.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Wann ist ein Syphilis-Test nach einem Risikokontakt aussagekräftig?
Antikörper sind in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung nachweisbar. Eine frische Infektion lässt sich jedoch erst etwa acht bis zehn Wochen nach dem Risikokontakt zuverlässig ausschließen.
Wird in der Schwangerschaft auf Syphilis getestet?
Ja. Ein Syphilis-Suchtest ist in Deutschland fester Bestandteil der regulären Schwangerschaftsvorsorge. Infektionen können dadurch meist frühzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb ist angeborene Syphilis hierzulande sehr selten.
Warum wird Syphilis bei Frauen häufig später erkannt?
Das schmerzlose Geschwür im frühen Stadium kann bei Frauen an schwer einsehbaren Körperstellen im Genitalbereich, etwa in der Scheide oder am Gebärmutterhals, auftreten und dadurch unbemerkt bleiben. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden Syphilis-Infektionen bei Frauen deutlich seltener im Frühstadium erkannt als bei Männern.
Ist Syphilis meldepflichtig?
Ja. Labore müssen jeden Nachweis von Treponema pallidum gemäß § 7 Absatz 3 des Infektionsschutzgesetzes an das Robert Koch-Institut melden. Die Meldung erfolgt nichtnamentlich, der Name der betroffenen Person wird also nicht übermittelt.